Micky der Marder

Hallo,

ich bin der Micky. Hausmarder der Rose. Eigentlich bin ich ein Steinmarder, die auch Hausmarder, Dachmarder oder neuerdings „Automarder“ genannt werden. Im Gegensatz zu unseren Verwandten den Baummardern, die nur im Wald leben, findet man uns Steinmarder überall. Im Wald, auf den Feldern und vor allem in Ortschaften und seit einiger Zeit gibt es mehr Steinmarder in Städten als draußen im Feld. Der Grund: Ihr Menschen macht es uns leicht. Ihr sammelt Plastikmüll in gelben Säcken, die oft wochenlang rumliegen, Ihr habt Komposthaufen mit Speiseabfällen, grüne Tonnen, die wegen des Gestankes meist offen stehen und spült Speisereste in den Kanal.

Bevor Ihr auf den falschen Gedanken kommt: wir Marder fressen k e i n e Abfälle. Wir fressen nur Fleisch, das wir selbst erbeuten, süßes Obst und evtl. noch Beeren. Aber Ratten sind auch Fleisch (schüttelt Euch bloß nicht – Eure Verwandten in Asien denken auch so, d.h. sie essen auch Ratten). Und die Ratten haben sich in Eurer „Wegwerf- und Biomüllgesellschaft“ eben so richtig vermehrt. Was uns wiederum dazu bringt, uns auch so tüchtig zu vermehren und jetzt geht meine Sippschaft Euch in mancher Beziehung so richtig auf den Wecker. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn einen Wecker braucht Ihr nicht, wenn sich einer oder eine Familie von uns auf Eurem Dachboden (Dachmarder) eingenistet hat.

Wir sind im Gegensatz zu Euch nachtaktiv und vor allem in der Ranz (unsere Paarungszeit im Juli, August und Februar) und wenn die Jungen selbstständig werden (auch im Juli und August) toben wir dann die ganze Nacht auf Euren Dachböden rum. Und das hört Ihr.
Wer mich mal auf dem Holzfußboden der Rose hat rennen sehen, der hat mich auch gehört. Das macht mir und meiner Sippschaft nämlich Spaß, das Rumtrampeln. Damit zeigen wir den anderen, dass dieser Raum uns allein gehört. Wenn Ihr nun glaubt, Ihr könntet uns durch Dämmen und Abdichten draußen halten: ziemlich unwahrscheinlich, denn ein Spalt mit drei, vier Zentimetern reicht uns. Wo der Kopf durchpasst, geht auch der Rest von uns durch. Und so einen Spalt finden wir immer – verlasst Euch drauf.
Mit all der Dämmerei könnt Ihr Euch vielleicht den Schimmel ins Haus holen, aber nicht uns Marder aussperren.

Genau so problematisch sind Autos (für Euch, nicht für uns). Darauf komme ich aber das nächste Mal ausführlich zu sprechen. Jetzt, wo ich doch einen Menschen zum Freund habe, der auch noch Jäger ist, will ich Euch die Sache mit den Kabeln und so mal aus unserer Sicht erklären und Euch ein paar Tipps geben. Zurück zu mir. Ich bin im Crumschder Wäldchen Ende März 2008 zur Welt gekommen. Zusammen mit zwei Geschwistern. Unter einem Holzstapel. Blind, fast nackt und ziemlich hilflos. Im Alter von 35 Tagen habe ich die Augen aufgemacht und die ersten acht Wochen nur Muttermilch getrunken. Danach habe ich mich so nach und nach an Fleisch gewöhnt und meine Geschwister und ich haben unsere Mutter auf ihren Jagdzügen begleitet – wir müssen ja genau wie Ihr Menschen erstmal von unseren Müttern lernen wie man jagt und wie man sich in der Umgebung benimmt (mardermäßig natürlich), was man fressen kann und wem man am besten aus dem Weg geht.

Das war ne gute Zeit. Wir sind in der Dämmerung und in der Nacht durch den Wald gestreift, haben alles gefressen, was uns über den Weg lief und was wir erbeuten konnten und es ging uns gut.
Doch selbst unsere Mutter hat nicht mit „motorisierten Rasern“ auf einem Waldweg gerechnet und so geschah das Unglück. Mutter und Schwester waren sofort tot. Mein Bruder schwer verletzt und ich selbst hatte auch ein paar Blutergüsse und Schrammen. So fand uns ein junges Pärchen. Der Junge hat einen eisernen Papierkorb am Parkplatz abgeschraubt und uns da rein gesperrt. Anfassen wollten sie uns nicht. Kein Wunder, denn wir beiden haben ziemlich gekrischen und um uns gebissen, denn wer will sich schon von sooo großen Viechern fangen lassen.

Nach ein paar Umwegen sind wir dann in der Rose gelandet. Mein Bruder ist noch in der Nacht an seinen Verletzungen gestorben. Ich hab´s überlebt.
Die ersten zwei Tage waren grauenvoll. Ich war im Schock, hatte Hunger und habe den Peter nur voll Angst und Wut angeschrieen. Bewundernswert, seine Nerven, denn wer uns mal schreien hört, sucht meist das Weite.
Na ja, der Hunger. Hunger lehrt allen das Leben – auch Euch Menschen. Nachdem ich also merkte, dass er mir nichts tut und das Futter schmeckte, bin ich auch freundlicher zu ihm geworden.
In der Zwischenzeit kommen wir ganz gut miteinander aus. Er füttert mich (ist aber immer wieder genervt, wenn ich mich dabei nach Marderart wie eine Furie benehme) und spielt mit mir. Ich darf auch seine Finger „durchkauen“, was nicht weh tut. Nur wenn ich ihm aus ein paar Metern Entfernung auf den Rücken oder auf die Schulter springe, zuckt er wegen meiner Krallen immer wieder zusammen. Der Arme hat kein Fell. Vielleicht sollte er mal eines anziehen?!