Kitty-Maus

Hallo Leute,

Einige von Euch werden mich ja schon gesehen haben. Unterm Tisch, auf´ m Stuhl, auf der Bank oder auf der Fensterbank (ich lag da doch kürzlich ein paar Stunden auf der Fensterbank bis Peter mich entdeckte und nach oben beförderte. Stellt Euch vor – die Frau, die direkt vor mir am Fenstertisch saß, hielt mich bis dahin tatsächlich für „ausgestopft“. Also: schon ein bis´chen ein schräger Gedanke, eine „ausgestopfte Katze“ auf eine Fensterbank zu legen. Auf Ideen kommen die Leute!

Kurz und gut – ich bin Kitty oder besser gesagt, Kitty-Maus. Alle Katzen der Rose hießen oder in meinem Falle heißen irgendwas mit Maus. Mami-Maus, die erste Hauskatze der Rose, Mini-Maus, deren Tochter und eben Kitty-Maus. Warum der Peter immer eine Maus an uns Katzen hängt, ist mir schleierhaft, aber der hat eben so seine Macken. Kann man nichts machen. Ich bin im August 2002 zur Welt gekommen und erst mal bei einem jungen Paar gelandet. Bis die sich scheiden ließen. Die Möbel wurden verkauft (natürlich unter Wert) und ich kam ins Pungschder Tierheim, weil die sich nicht entscheiden konnten, wer mich behalten sollte. Irgendwie ein Glück, dass die beiden keine Kinder hatten. Für mich natürlich ein Schock. Vor allem, weil ich mein neues „zu Hause“ mit vielen anderen Katzen teilen musste. Dabei kann ich meine Sippschaft eigentlich nicht ausstehen – ich bin ja ein Einzelkind und unter Artgenossen nicht gerade verträglich (soll übrigens, wie ich im Laufe der Jahre so mitgekriegt habe, bei Euch Menschen ähnlich sein).

Da saß ich also im Tierheim im Katzenzimmer mit angrenzendem Käfig. Wurde vom Personal gut versorgt und es hätte mir gut gehen können, wenn eben die Katzenmeute nicht im gleichen Zimmer gewesen wäre. Stress pur. Zum Glück bin ich nicht nur schön, sondern auch kräftig und selbstbewusst und hab´ der Sippschaft schon klar gemacht, wer die Chefin im Hause war. Auch eventuellen „Neubesitzern“ ging es nicht viel besser. Wenn so ein Zweibeiner schon den Spleen hat, er, sie, es könnte „Besitzer oder Chef“ von mir oder einer anderen Katze sein oder werden …

Im Grunde seid ihr Menschen ziemlich unzulängliche Wesen. Ihr seid lahm, könnt nicht klettern, nicht gut riechen, nicht gut sehen und nicht gut hören. Ihr seid nicht gerade reinlich (nach unserem Standard), habt kein schönes Fell, habt lächerliche Krallen und weil Eure Zähne so schlecht sind, müsst Ihr auch Euer Futter kochen oder braten. Natürlich habt Ihr in unseren Augen auch ein paar Vorteile. Ihr könnt zum Beispiel ganz gut Dosen aufmachen und Katzenklos reinigen.

Da saß ich also im Tierheim. Bis zum 5. Mai 2006. An dem Morgen passierte etwas Merkwürdiges. Da kam so ein mittelalterlicher Typ und fragte tatsächlich, ob es im Tierheim evtl. eine Katze gäbe, die „ihn sympathisch fände“. Ein guter Anfang. Der Mensch stellte sich mitten ins Zimmer, schaute keine von uns an und wartete. Ich wartete auch. Irgendwann ging ich dann zu ihm. Würdevoll und gemessenen Schrittes. Es ist eigentlich nicht meine Art mich aufzudrängen, aber schließlich war er der Erste, der mehr Wert drauf legte, dass ich ihn nett fände und nicht umgekehrt. Die Warnung meiner Pflegerin, ich würde kratzen und gelegentlich auch beißen, hat er einfach ignoriert. Auch das war kein schlechtes Zeichen. Um es kurz zu machen. Er hat mich am nächsten Tag dann in die Rose geholt und: an meinen Namen eine Maus drangehängt. Warum auch immer.

Als ein Jahr später eine Dame des Tierheims nach mir schaute und nach einem Katzenkorb fragte, konnte er nur nein sagen. „Ja , wo schläft denn unsere Kitty?“ „Unter meinem Bett. Sie hat da ein, zwei Hemden von mir.“ Um die Wahrheit zu sagen, manchmal sind es ein paar mehr – bis er es merkt.

Ich habe zu meiner persönlichen Verfügung: eine komplette Wohnung, drei Dachböden, einen Keller, eine Gartenwirtschaft, einen Garten mit Schuppen und noch ein paar weitere Gärten. Und natürlich meinen persönlichen Dosenöffner. Nur auf die Strasse darf ich nicht. Krieg ich aber auch noch hin.

Noch was: manchmal erliegt ihr dem Irrglauben, wir Katzen verständen Euch nicht, weil wir nicht wie Hunde nach Eurer Pfeife tanzen. Wir verstehen Euch schon – das Problem liegt nur darin, dass Ihr ab und zu vollkommen Unsinniges von uns verlangt. Dafür haben wir aber zwei Ohren, die wir, genau wie Ihr, auf „Durchzug“ stellen können.

Übrigens: der „mittelalterliche Typ“, der sich trotz besserem Wissen ab und zu als mein „Chef“ aufspielt, heißt Peter und ist der Wirt der Rose zu Pungscht.